NEWSTICKER 07.02.2015

+++Abriss der Masten laut Pressebericht beschlossene Sache+++Der Kampf geht weiter!+++Abriss der Flutlichtmasten teurer als deren Erhalt+++Mehr dazu in den nächsten Tagen in der Presse und hier+++

Eine Seite über das Stahlstadion - wieso, weshalb, warum..? 

 

Die Geschichte dieser Internetseite findet Ihren Anfang an einem Samstag im Dezember 1984. DDR-Oberliga, Stahl Brandenburg gegen Wismut Aue. Ein kleiner 5jähriger Junge aus Brandenburg-Nord geht an diesem Tag zum ersten mal mit seinem Opa ins Stadion, steht ganz unten am Zaun in der Nordkurve zwischen den anderen Kindern, sieht tausende Menschen auf den Stehrängen, die rauchenden Stahlwerker auf der Tribüne rechts neben ihm (der heutigen Gegentribüne), die rauchenden Schornsteine des Stahlwerks links hinter ihm, eine im Bau befindliche Tribüne auf der gegenüberliegenden Seite (hier entstand gerade die heutige Haupttribüne), die hohen Pappeln hinter den Zuschauerrängen, die Kiebitze im benachbarten Arbeiterwohnheim des Stahlwerks und 11 Männer in blauen Trikots auf dem Rasen, die all diese Menschen im Stadion zum Schreien, Zittern und Toben bringen. Die Erinnerungen an das Spiel sind natürlich längst gewichen, die Statistik spricht von einem 1:1. Doch das Feuer war entfacht, es war der Beginn einer großen, oftmals unglücklichen Liebe zu diesem herrlichen Fußballverein. Ich war noch ein Junge, als das Fieber über mich kam...

 

Die Jahre meiner Kindheit waren aus Fan-Sicht wie ein Märchen. Die BSG Stahl etablierte sich schnell in der Oberliga, spielte sogar im Europacup und die Fans machten den Aufenthalt im Stahl-Stadion für jeden Gegner zu einem Gang durch die Hölle. Die "Stahl Feuer" Rufe waren schon bald im ganzen Land legendär, die Zuschauerzahlen lagen im Schnitt bei 10.000 und die Zukunft schien golden zu sein. Es entstand in den ersten Jahren der Oberliga-Zugehörigkeit eine neue Tribüne, die Kurven wurden ausgebaut und pünktlich zu den Spielen im UEFA Cup zeigte auch eine elektronische Anzeigetafel jede Menge Tore für Stahl (und ein paar für die Gästemannschaften) an. Ab 1988/89 winkten die neu errichteten Flutlichmasten schon aus großer Entfernung, die Vorfreude auf große Flutlichtspiele wuchs in uns allen. Doch dann fiel die Mauer und über Nacht war alles anders...

Die folgenden Jahre waren oftmals (eigentlich fast immer) hart, so manche schlimme Stunde erlebte ich – genau wie die anderen „letzten Helden“ – im Stahlstadion. Sei es der verpasste Aufstieg in die 2. Bundesliga am 11.06.1994 gegen Zwickau (noch heute wird mir ganz anders, wenn sich dieses Datum jährt), die Abstiege in die Oberliga, Verbandsliga und die Landesliga genau wie die ungezählten Stunden, in denen eine mögliche Fusion oder der Pleitegeier die Existenz unseres Vereins bedrohten. Und so manches mal fragte man sich, wenn sich mal wieder nur 120 Zuschauer an einem grauen Novembernachmittag auf der Tribüne verloren, ob es an der heimischen Kaffeetafel nicht gerade viel gemütlicher sein konnte. Natürlich konnte es das. Aber egal: Stahl Brandenburg überlebte das alles irgendwie, und das Stahlstadion geriet dabei immer mehr zum identitätsstiftenden Symbol. Und wenn es wieder einmal gegen Gegner wie Müllrose, Eisenhüttenstadt II oder Velten ging und das Spiel womöglich auch noch verloren wurde, zeugte nicht mehr viel von unserer großen Vergangenheit – außer einer verbliebenen Schar treuer Fans, dem großen Namen (für 5 Jahre nicht einmal mehr der) und unserem Stadion.

Zeitsprung - Mein Opa ging schon lange nicht mehr ins Stahlstadion, das Auftaktspiel zur 2. Bundesliga-Saison (0:1 gegen Hertha) im Jahre 1991 war sein letztes Spiel dort, an das ich mich erinnern kann. Die Zuschauerzahlen sanken innerhalb von 2-3 Jahren auf einige hundert und die Zukunft sah alles andere als rosig aus - es ging nur noch um's Überleben. Und während fast alle, die ich kannte, plötzlich nichts mehr von Stahl wissen wollten, blieb ich dabei und ärgerte mich künftig über unattraktive Gegner und über die Tristesse, die Einzug gehalten hatte. Und doch setzte ich mich Spiel für Spiel auf mein grünes Diamant-Fahrrad, radelte den Silokanal entlang zum Quenz und spürte spätestens, wenn ich die nach und nach verschwindenden Schornsteine des Stahlwerks passierte, das gleiche Kribbeln wie in den "großen Zeiten". Die Flutlichtmasten sahen noch immer nach großem Fußball aus... Und auch unter der Woche ging der Blick jeden Tag aus dem heimischen Kinderzimmer - mittlerweile am Rande von Hohenstücken wohnend - in Richtung Quenz, wo aus der Ferne die Masten die Vorfreude auf's Wochenende steigen ließen. Beim Treppensteigen ein Fluch, so war die Wohnung in der 5. Etage dank des Blicks auf's Stahlstadion aus dem eigenen Zimmer einfach unbezahlbar! In diesen Jahren passierte es auch, dass ich mich mehr und mehr in unser Stadion verliebte. War es zu DDR-Zeiten einfach nur die standesgemäße Heimat eines - meines! - Oberliga-Vereins, so war es plötzlich mitten im Überlebenskampf ein Relikt aus besseren Tagen, eines der letzten Überbleibsel der großen Zeiten.

Diese Seite ist eine Hommage an diesen ganz besonderen Ort. Manchmal aus einer sehr persönlichen Sicht, dabei aber trotzdem mit dem größten mir möglichen Maß an Objektivität. Sie soll dokumentieren, wie es einst hier aussah und wie das Stadion langsam wuchs, welche schönen und welche traurigen Stunden hier Geschichte schrieben. Vor aber allem soll sie eines: die vielen vergangenen Jahre mit all ihren Erlebnissen, Erinnerungen und Geschichten weiterleben lassen und zum Teil Vergessenes wieder zu neuem Leben erwecken lassen. Denn wie heißt es doch so schön? Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme!

Genau dabei wünsche ich Euch viel Spaß - auf geht's!!