Der Startschuss für eine bewegte Stadiongeschichte...

 

  

Den eigentlichen „Punkt Null“ in der Vereinsgeschichte von Stahl Brandenburg – und somit vom Stahlstadion – stellt bereits das Jahr 1949 dar, denn in diesem Jahr wurde mit dem Wiederaufbau des Stahlwerks begonnen. Das alte Stahlwerk wurde zuvor 1946/47 als Kriegsentschädigung abgebaut und in die Sowjetunion verfrachtet. Der erste Siemens-Martin-Ofen  wurde am 20.07.1950 in Betrieb genommen, und so nahm der Wiederaufbau schnell an Fahrt auf. Schon bald arbeitete eine vierstellige Anzahl an Arbeitern im Werk, das Stahlwerk wurde schnell zu einem wichtigen Faktor beim Wiederaufbau des ganzen Landes nach dem 2. Weltkrieg. Naturgemäß gab es in dieser Zeit noch nicht viele Unterhaltungsmöglichkeiten, denen sich die vielen Arbeiter nach Feierabend hingeben konnte, und so gewann für viele Menschen in dieser Zeit der Sport diese Rolle. Nach und nach wollten immer mehr Betriebsangehörige eine eigene Betriebssportgemeinschaft, doch konkret geschah zunächst wenig. Der Leichtathlet Rudolf Burgdorf schließlich regte etwas energischer die Gründung der Betriebssportgemeinschaft an, und so wurde am 02.09.1950 die BSG Stahl Brandenburg gegründet.

 

Am 02.09.1950? Ja, in diesem Punkt muss die Geschichte der BSG Stahl umgeschrieben werden. Bereits an diesem Tag wurde die BSG Stahl Brandenburg ganz regulär gegründet und die Verantwortlichkeiten wurden vergeben (Zum Vorsitzenden wurde z.B. Sportsfreund Blaschke ernannt, zum Sportleiter ein Herr Sommer), allerdings zu diesem Zeitpunkt noch ohne den offiziellen Segen der SED. Erst mehr als 2 Monate später, am 25.11.1950, kam es im größeren Rahmen zur offiziellen (bislang allgemein bekannten) Gründungsveranstaltung, zu der unter den mehr als 100 Gästen auch Repräsentanten von SED, FDJ, FDGB, BGL, Volkspolizei und Landessportausschuss weilten.  

 

Von Anfang an dabei waren auch die Fußballer. Das erste Spiel der Sektion Fußball fand dann auch im Januar oder Februar 1951 (das genaue Datum ließ sich noch nicht herausfinden) statt, auf dem Werner-Seelenbinder-Sportplatz trat man gegen die BSG Städtische Krankenanstalten an. In den Punktspielbetrieb stieg die BSG Stahl in der Saison 1951/52 ein, die Spiele wurden in den ersten Jahren auf dem Sportplatz am Waldcafé (Brandenburg-Görden) ausgetragen, dort trugen auch die Handballer der BSG Stahl ihre Spiele aus – vom Luxus einer Halle konnte man damals nur träumen. Es wurde aber schon ab 1952 mit dem Bau des Stadions auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers begonnen, um den Fußballern eine neue Heimat in der unmittelbaren Nähe des Stadions zu schaffen. Es ist heute schwer nachzuvollziehen, woran die lange Bauzeit des Stadions lag. Nachvollziehbar ist jedoch, dass erst 1954 eine Beschluss gefasst wurde, im Stadion auch eine Aschenbahn für die Leichtathleten sowie 2 Nebenplätze (zunächst als Hartplätze) anzulegen.  

 
 In den ersten Jahren am Waldcafé zu Hause: die Fußballer der BSG Stahl Brandenburg
 
Es wurde aber schon ab 1952 mit dem Bau des Stadions auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers begonnen, um den Fußballern eine neue Heimat in der unmittelbaren Nähe des Stahlwerks zu schaffen. Es ist heute schwer nachzuvollziehen, woran die lange Bauzeit des Stadions lag. Nachvollziehbar ist jedoch, dass erst 1954 eine Beschluss gefasst wurde, im Stadion auch eine Aschenbahn für die Leichtathleten sowie 2 Nebenplätze (zunächst als Hartplätze) anzulegen. So entstand unter dem unermütlichen Einsatz der Arbeiter des Stahlwerks das neue Stadion der BSG Stahl Brandenburg, und im Jahre 1955 konnte endlich die Heimat, in der in den folgenden Jahrzehnten so viele und große Schlachten geschlagen wurden, eingeweiht werden… Das erste Spiel im „neuen Stadion an der Straße der Aktivisten“ fand am 2.Oktober 1955 statt, als in einer Doppelveranstaltung die Handballer der BSG Stahl gegen die BSG Traktor Borne antraten und im Anschluss die Fußballer gegen die BSG Motor Plaue antraten (der Zufall will es, dass mein Geliebter Großvater mütterlicherseits - Ruhe in Frieden - für Motor Plaue spielte und auch an diesem Tag zur Stadioneinweihung auf dem Platz stand). Das Ganze lief übrigens nur mit sehr kleinen Feierlichkeiten ab, denn das Stadion war zu diesem Zeitpunkt noch nicht komplett fertiggestellt – eine große Eröffnung sollte im Jahr darauf stattfinden. So war für den 28./.29.Juli 1956 auch eine große Veranstaltung geplant, bei der es u.a. zu einer Wettkämpfen mit Sportlern aus Düsseldorf (Düsseldorfer Sportverein 04 und Sportgemeinschaft Düsseldorf-Urdenbach) und Kiel (Vineta Audorf) kommen sollte. Allerdings wurde diese kurzfristig abgesagt, da (was zu diesen Zeiten nicht ungewöhnlich war) die Politik dazwischen kommen sollte. In der Bundesrepublik Deutschland wurde kurz zuvor – ebenfalls im Juli ´56 – die Einführung der Wehrpflicht beschlossen. Dies führte natürlich zu einer Verschärfung der Situation zwischen den beiden deutschen Staaten, und so wurde gegen Sportler aus Westdeutschland von Seiten Ihres eigenen Sportverbands kurzerhand ein Einreiseverbot verhängt. Ein willkommenes Fressen für die DDR Propaganda, konnte doch das Feindbild „Bonner Republik“ einmal mehr an den Pranger gestellt werden. Die geplante Feier wurde auf einen unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft verschoben – bislang konnten zu einer nachgeholten Veranstaltung jedoch noch keine Informationen ausfindig gemacht werden, und so ist unklar, ob diese jemals stattfand…
 
 
Das Stadion bei seiner Einweihung 1955, man erkennt recht deutlich die Südkurve.
 
Klar ist, dass das Stadion zum Zeitpunkt seiner Einweihung in seiner später bekannten Grundstruktur bereits bestand. Es gab rundum die noch heute vorhandenen Zuschauerwälle (damals noch reine Graswälle) für ca. 10.000 Zuschauer und wahrscheinlich existierten bereits die Sitzplätze auf der heutigen Haupttribünenseite. Es ist auch bekannt, dass schon in den ersten Jahren des Bestehens große Zuschauerzahlen erzielt wurden, wenn auch vorerst nicht in erster Linie im Ligabetrieb der BSG Stahl. Es fanden seit 1951 regelmäßig Sportfeste statt, die erst noch am Waldcafé, später dann im Stadion ausgetragen wurden. 1956 beispielsweise kamen 2.000 Zuschauer, um das damals schon zur Tradition gewordene Spiel „Dicke gegen Dünne“ zu sehen.
 
In diesem Zusammenhang spreche ich bewusst nicht vom „Stahlstadion“, denn einen offiziellen Namen hatte das Stadion noch nicht. Im Volksmund wurde zu dieser Zeit vor allem vom „Stadion der Aktivisten“ gesprochen (in Anlehnung an die „Straße der Aktivisten“ – so hieß die Magdeburger Landstraße zu DDR-Zeiten). Im Jahr 1956 wurde in der Stahlwerkerzeitung eine Umfrage unter dem Titel „Welchen Namen soll unser Stadion tragen?“ gestartet. Das Ergebnis dieser Befragung bleibt bislang noch vom Dunkel der Geschichte verhüllt, eine offizielle Namensgebung des Stadions ist bis heute nicht bekannt. Im Laufe der Jahre bürgerte sich zwar der Name „Stahlstadion“ immer mehr ein, aber offiziell vergeben wurde dieser nach dem aktuellen Stand der Erkenntnisse nie. Und so sollte es Jahrzehnte später sogar geschehen, dass das Stadion beinahe nach einer Person benannt wurde. Dazu aber später mehr…