Vom Himmel in die Hölle

 Die 90er Jahre brachten den sportlichen Niedergang des Fußballs am Quenz mit sich. Spielte man zu Beginn des Jahrzehnts noch als Erstligist gegen Dynamo Dresden, Hansa Rostock, Lok Leipzig oder in Testspielen gegen Hertha, Kaiserslautern oder Werder Bremen, so hießen die Gegner gegen Ende des Jahrzehnts SV Falkenrehde/Ketzin, SV Müllrose oder Empor Mühlberg.

Ein letztes Jahr Erstklassigkeit und das Intermezzo in der 2.Bundesliga

Das Jahrzehnt begann turbulent und mit weitreichenden Veränderungen. 52 Tage vor dem Ende der 80er Jahre war absehbar, dass sich alles ändern wird: in Berlin tanzten tausende Menschen auf der Mauer, in den Wochen darauf sanken die Zuschauerzahlen in der DDR Oberliga dramatisch. Plötzlich war es möglich, Bundesliga zu gucken, und das nicht nur um 18.30Uhr in der Sportschau, sondern um 15.30Uhr im Stadion. Auch viele Brandenburger fuhren von nun an "in den Westen", um den HSV, Einracht Frankfurt oder Schalke zu sehen. Wo sich bislang im Schnitt 10.000 Zuschauer tummelten, waren es von jetzt an selten mehr als 3.000. Die einstmals stets prall gefüllte Südkurve bot nun plötzlich viel Platz, selbst Testspiele gegen den 1.FC Kaiserlautern (1:2) und gegen Hertha BSC (1:1, Stahl-Torschütze übrigens Torwart Detlev Zimmer!) lockten keine großen Massen mehr ins Stadion. Das gefürchtete "Stahl Feuer" aus den 80ern begann, nur noch auf Sparflamme zu brennen...

Die Saison 1990/91 wurde dann eine Saison "auf Leben und Tod". Platz 6 war das erklärte Ziel, um den direkten Sprung in die 2. Bundeliga zu schaffen. Geprägt war diese Saison von den angesprochenen schlechten Zuschauerzahlen, teilweise unattraktivem Fußball, dem Blick Richtung Westen bei Spielern und Zuschauern (so wechselte z.B. Jens Pahlke während der Saison Richtung Holland) und vor allem der ausufernden Gewalt auf den Rängen. Der Respekt vor der Polizei der sich in Auflösung befindlichen DDR tendierte unter den Fans gegen Null, die ersten Verlierer der "neuen Zeit" standen durch Kurzarbeit und Entlassungen in den Betrieben schnell fest. Die Stadien in der DDR wurden zu einem noch heißeren Pflaster als in den 80ern. In Leipzig-Leutzsch starb ein junger Fan des BFC bei Ausschreitungen durch eine Polizei-Kugel, ebenfalls in Leipzig-Leutzsch gab es gegen Jena einen Spielabbruch wegen Ausschreitungen (es folgte übrigens eine Platzsperre für den FC Sachsen, das folgende Heimspiel gegen Stahl Brandenburg musste in Nordhausen ausgetragen werden), beim FC Berlin stürmten hunderte Hools den Gasteblöck beim Spiel gegen den BSV Stahl und auch sonst gab es kaum einen Spieltag, an dem es nicht irgendwo "knallte". Oft auch in Brandenburg, etablierte sich doch in dieser Saison der sogenannte Glatzen-Block in der Nordkurve direkt neben der Gegentribüne.

Am letzten Spieltag hatte Stahl noch die Chance, direkt in die 2. Bundeliga einzuziehen. Mehr noch sogar, denn die 1:0 Halbzeitführung beim FC Rot-Weiß Erfurt bedeutete sogar nach 1986 die zweite Teilnahme am UEFA-Cup. Leider blieb es nicht bei diesem Zwischenstand. Am Ende verlor Stahl mit 1:2 und verpasste sowohl den Europacup als auch die direkte Qualifikation zur 2. Bundesliga. Die Relegation brachte dann neben der erfolgreicen Qualifikation (Gegner waren der FC Berlin, Magdeburg und Union) einen tragischen Zwischenfall mit sich. Nach dem Spiel gegen Union Berlin kam es wieder einmal zu Ausschreitungen. Einige Stahl-Fans, die allein unterwegs waren, wurden von den Berlinern wie Tiere gejagt, unter anderem über die vielbefahrene Straße der Aktivisten. Ein Stahl-Fan wurde von einem Wartburg erfasst und verstarb. Ein trauriges der Oberliga-Geschichte in Brandenburg und noch heute ein häufiges Gesprächsthema auf den Rängen des Stahl-Stadions...

Das Ende der DDR bedeutete auch den schleichenden Abschied der BSG Stahl vom Stahlwerk als Trägerbetrieb bzw. Sponsor. Mit der Währungsreform im Juli 1990 brach dem Stahlwerk ein Großteil der Aufträge weg, im August mussten bereits 6.500 Arbeiter auf Kurzarbeit gesetzt werden. Es zeigte sich schnell, dass das Stahlwerk in der bisherigen Form nicht mehr überlebensfähig war. Die Unterstützung der BSG (Betriebssportgemeinschaft) Stahl wurde schrittweise eingestellt, was sich auch im neuen Vereinsnamen BSV (Ballspielverein) Stahl wiederspiegelte. Von einem Tag auf den anderen wurde nach neuen Regeln gespielt. Noch standen und rauchten die Schornsteine hinter dem Stadion, doch auch das sollte sich in den folgenden Jahren ändern.

In der Saison 1991/92 startete Stahl nach der letztendlich erfolgreichen Qualifikationsrunde (die Gegner waren der FC Berlin, 1.FC Magdeburg und der 1.FC Union, beim dortigen Auswärtsspiel konnte der Staffelsieg unserer Qualifikationsrunden-Gruppe gefeiert werden) also in der 2.Bundesliga. Nach 7 Jahren in der Erstklassigkeit stand künftig also nur noch Zweiklassigkeit auf dem Programm, gefeiert wurde die Qualifikation zur 2.BL trotzdem wie ein Aufstieg – selbstverständlich, möchte man sagen, bewahrte sie den Verein doch vorerst vor dem Absturz ins Amateurlager. Die Einstufung in die 2.BL brachte eine von nur zwei wesentlichen baulichen Veränderungen am Stadion in den 90ern mit sich. Der alte Zaun aus DDR-Zeiten erfüllte nicht mehr seinen Zweck, in der Sommperpause 1991 ersetzte der noch heute existierende Zaun den "Spielzeug-Zaun" von 1984. Auch die Gegner waren ab sofort andere. Als am ersten Spieltag 10.50 Zuschauer das Heimspiel gegen Hertha BSC  verfolgten (0:1, Tor Mario Basler), war die Hoffnung groß, auch künftig im Profifußball eine Rolle zu spielen, teilweise berauschende Siege wie das 3:0 gegen Hannover 96 (die in dieser Saison den DFB-Pokal gewannen) oder den Aufstiegsfavoriten FC St.Pauli (4:0 - das 1:0 durch Eberhard Janotta war eines der schönsten je im Stadion geschossenenen Tore) nährten diese Hoffnung. Was folgte, war jedoch ein gnadenloser Absturz. Noch am letzten Spieltag der Vorrunde führte Stahl zur Halbzeitpause mit 1:0 bei Blau-Weiß 90 im großen Berliner Olympiastadion und stand zu diesem Zeitpunkt an Platz 1 der 2.Bundesliga - leider wurde dieses Spiel noch mit 3:1 verloren, und diese Niederlage leitete den Niedergang ein. Es folgten mehrere überraschende Niederlagen nach unmotivierten Auftritten, das Umfeld wurde unruhig und die Zuschauerzahlen sanken in Rekordzeit. Trainerwechsel fast im Monatstakt (Reinke für Düwiger - nachdem sich die Mannschaft beim Vorstand gegen den Trainer auflehnte, Handballtrainer (!) Kosmehl für Reinke, wieder Düwiger für Kosmehl), katastrophale Mannschaftsleistungen und unglaubliche Benachteiligungen durch die Schiedsrichter (u.a. beim Skandalspiel gegen Bayer 05 Uerdingen, welches Stahl mit 5 (!) Feldspielern beendete) ließen die Hoffnung auf den Klassenerhalt nach und nach zerplatzen, es folgte der bittere Abstieg in die Amateur-Oberliga. Ein Abschied aus dem Profi-Fußball für immer.

Die Jahre 1992 - 1994: guter Fußball und die Hoffnung auf bessere Zeiten

Angekommen im Amateurfußball, wurde trotz einiger schmerzlicher (Roy Präger zu Fortuna Köln, Eberhard Janotta und Michael Steffen zu Bergmann Borsig Berlin, Christoph Ringk und Detlev Zimmer Karriereende) und einiger weniger schmerzlicher Abgänge der direkte Wiederaufstieg angestrebt. Als Trainer wurde Rolf Schafstall verpflichtet (der jedoch nach wenigen Spielen in schäbiger Art und Weise wieder hinschmiss und zu den Stuttgarter Kickers wechselte - ihm folgte der bei den Fans hoch angesehene Werner Voigt), einige Leitungsträger wurden gehalten (Sylvio Demuth, Wolfgang Wiesner, Dietmar Bletsch, Jan Voß, Andreas Lindner, Falk Zschiedrich) und neue verpflichtet bzw. aus der eigenen Jugend herangezogen (Andreas Joppien, Dietmar Drabow, Uwe Schulz, Michael Hartmann), so dass eine schlagkräftige Mannschaft auf die Beine gestellt werden konnte. Die Saison 92/93 verlief in der Liga jedoch eher enttäuschend und endete mit recht großem Abstand auf TeBe Berlin auf Platz 2, die Zuschauerzahlen bewegten sich meistens zwischen 400 und 500, nachdem es zum Auftaktspiel gegen den Greifswalder SC (0:2) noch knapp über 1.000 waren. In Erinnerung bleibt von dieser Saison außerdem der fortschreitende Untergang des Stahlwerks (in den 80ern arbeiteten hier noch im Schnitt 10.000 Menschen, während dieser Saison nur noch ca. 2.000) und die daraus resultierende Umbenennung des Vereins - die zweite in 3 Jahren - in BSV Brandenburg. Sang- und klanglos wurde in der Winterpause das "Stahl" gestrichen, zum ersten Heimspiel der Rückrunde gab es nicht einmal ein Wappen, das den "Stadion-Kurier" zierte. Und als es wenige Wochen später wieder eines gab, war es ein seelenloses Wappen ohne Bezug auf die Geschichte des Vereins.

Die folgenden Jahre unter dem Namen BSV Brandenburg brachten nach anfänglichen Lichtblicken den wirklichen sportlichen Niedergang des Fußballs am Quenz mit sich. In der zweiten Saison im Amateurlager (1993/94) war das noch nicht so absehbar, denn die erste komplette Saison unter neuem Namen wurde noch recht erfolgreich absolviert. Der Hauptsponsor, die TRP aus Potsdam, unterstützte den Verein wie bereits seit 1991 mit großem finanziellen Aufwand und ermöglichte weiterhin professionelles Arbeiten und einen nicht ganz billigen Kader.  Zwar hinkten die Zuschauerzahlen mit nur einigen hundert Besuchern im Schnitt den sportlichen Ansprüchen weit  hinterher (die Fanszene war in der Zeit Mitte 1992 bis Ende 1993 praktisch tot und begann erst langsam wieder komplett neu zu entstehen), aber die Manschaft tat das, was man von ihr erwartete: sie spielte ansehnlichen Fußball, gewann und gewann. Man gewann sogar nicht nur in der Liga Spiel um Spiel, sondern holte durch ein 5:1 gegen den 1.FC Schwedt in Luckenwalde zum einzigen Mal den Brandenburger Landespokal (die dadurch errreichte Qualifikation für den DFB-Pokal endete leider in einem Debakel - mi 0:11 verlor der BSV wenige Monate später in der ersten Runde gegen Bayer Leverkusen, 6facher Torschütze war der Weltmeister Paulo Sergio). Sogar der ganz große Wurf - die Rückkehr in den Profifußball - schien ganz nah. In der Aufstiegsrunde wurde noch einmal vor großer Kulisse gegen Energie Cottbus und den FSV Zwickau gespielt, leider reichte das 1:1 im entscheidenen Spiel gegen die Westsachsen nicht aus, und so durften die 2.000 mitgereisten Zwickauer auf dem Brandenburger Rasen den Aufstieg in die 2. Bundsliga feiern.

Der "Durchmarsch" bis in die Verbandsliga - der sportliche Niedergang in Rekordzeit

 Dieser 11.Juni 1994 sollte für den BSV Brandenburg eine der schwärzesten Stunden werden, leitete der doch den "großen Knall" ein. Nur wenige Tage  nach diesem Spiel trat BSV-Präsident Siegfried Benn (gleichzeitig Geschäftsführer TRP) von seinem Posten zurück, die TRP stellte mit sofortiger Wirkung sämtliche Zahlungen ein. Die nun viel zu teure Mannschaft fing an, auseinanderzubrechen, die vielen jungen neuen Spieler brauchten naturgemäß längere Zeit, sich an das hohe sportliche Niveau der neugeschaffenen Regionalliga zu gewöhnen. Die logische Folge war der Abstieg in die Oberliga, statt dem Aufstieg in die 2. Bundeliga im Juni 1994 stand im Frühjahr 1995 der Abstieg in die Viertklassigkeit. Doch der freie Fall war noch nicht gestoppt. Wirtschaftlich zwar um einige Nummern kleiner, aber auf gesunden Füßen, wurde erneut eine fast neue Mannschaft zusammengestellt - und trotz eigentlich vorhandener sportlicher Qualität fand die Talfahrt auch in der Oberliga kein Ende, denn am Ende stand der zweite Abstieg in Folge - die traurige Realität hieß plötzlich Fünftklassigkeit und 150 Zuschauer im Schnitt. Glücklicherweise gab es jedoch seit Ende 1993 wieder eine mit der Zeit anwachsende Fanszene, die auch in diesen düsteren Stunden dem Verein die Treue hielt. Denn nur sie und ein großartiges Stadion machte in dieser Zeit den Unterschied zwischen einem Dorfverein und einem irgendwo noch besonderen Club aus. 

Flutlicht an - Lichter am Quenz fast aus

 

Einen weiteren Wendepunkt in der Vereinsgeschichte von Stahl Brandenburg (bzw. dem BSV Brandenburg) leitete der Bau der neuen Tartanbahn im Jahre 1996 ein. Zu dieser Zeit spielten neben der Fußballabteilung auch die Leichtathleten eine große Rolle im Gesamtverein, und so kam es, dass jede Menge Geld in die Hand genommen wurde, um die 40 Jahre alte Aschenbahn durch eine für internationae Wettkämpfe geeignete Leichtathletikanlage zu ersetzen. Die veranschlagten Baukosten beliefen sich auf ca. 1.400.000 DM, diese erhöhten sich durch den schlechten Baugrund um ca. 300.000 DM auf insgesamt etwa 1.700.000 DM (etwa 870.000€). Das Land Brandenburg sagte eine Förderung für das Bauvorhaben in Höhe von 853.104 DM zu, der BSV leistete einen Eigenanteil von 30% der geplanten Kosten (teilweise in Form von Arbeitsleistungen durch Vereinsmitglieder). Darüberhinaus flossen ca. 200.000 DM an ABM-Maßnahmen in das Bauwerk - nur die Stadt Brandenburg beteiligte sich als Stadioneigentümer (und obwohl auch viel Schulsport im Stadion getrieben wurde) mit keinem einzigen Euro an den Baumaßnahmen. Und trotzdem spielte die Stadt Brandenburg eine unrühmliche Rolle. Warum? Erst kurz vor Beginn der Bauarbeiten übernahm der BSV Brandenburg das Stadion durch einen Erbpachtvertrag und nur dank des Vertrags wurde die Förderung durch das Land Brandenburg bewilligt. Wie sich später herausstellte, waren die Verträge über die Erbpacht zwischen Stadt und Verein leider ungültig. Der Stadtverwaltung war dies frühzeitig bewusst, dem BSV Brandenburg nicht. Man ließ den Verein weiterbauen und sprichwörtlich "dumm sterben", denn als bekannt wurde, dass die Verträge ungültig waren, platzte auch die Förderung durch das Bundesland. Der BSV als Bauherr stand plötzlich mit Kosten in Höhe von 1,5 Millionen DM da und konnte sich natürlich kaum mehr über Wasser halten. Für den Verbandsligisten bedeutete dies einen langsamen Tod. Man krebste fast 2 Jahre fast pleite herum, sammelte (ohne Übertreibung!) ordnerweise Mahnungen von verschiedenen Gläubigern, vertröstete immer wieder Bauunternehmen und versuchte, die Pleite abzuwenden. Am Ende vergebens, 1998 ging der BSV in Konkurs. Nur der weisen Voraussicht einiger Mitglieder war es zu verdanken, dass am Quenz auch weiterhin Fußball gespielt wurde. Praktisch die komplette Fußballabteilung des BSV trat dem wenige Wochen zuvor gegründeten FC Stahl Brandenburg bei, auf diesem Weg konnten die Spielklassen gehalten werden. Die Fans hatten nun den geliebten Namen "Stahl Brandenburg" wieder, allerdings zu einem hohen Preis: der Großverein war endgültig gestorben. Die Leichtathleten des BSV wechselten in den neugegründeten VfL Brandenburg und behielten somit ihre Heimat (jetzt mit Tartanbahn), Die anderen Abteilungen wechselten ebenfalls in andere Vereine, u.a. in die SG Stahl Brandenburg.

Doch mitten in dieser Zeit des Chaos gab es im Dezember 1996 einen Lichtblick am Quenz, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem im Jahre 1989 die politische Wende die Inbetriebnahme der Flutlichtanlage verhindert hatte (die Anlage war praktisch fertig, nur die letzten Anschlüsse fehlten - siehe hierzu auch den entsprechenden Abschnitt unter 80er-->Oberliga und UEFA-Cup), sollte nun endlich der letzte Schritt getan werden, um dies mit einer Verzögerung von 7 Jahren nachzuholen. Und so kam es, dass im Dezember 1996 die Flutlicht-Premiere im Stadion am Quenz anstand. Der Gegner hier Energie Cottbus II, Stahl Brandenburg hieß nicht Stahl Brandenburg (sondern noch BSV), es waren keine 300 Zuschauer vor Ort und pro Mast brannten nur 2 Reihen Lampen. Dass es zur Premiere auch noch eine herbe 0:5-Klatsche gab, machte das verkorkste Bild perfekt. Statt bei großen Schlachten in der 1.Liga und im Europapokal - dafür wurde die Anlage einst gebaut - durfte sie das Stadion nun teilweise grausige Fußballspiele in den Tiefen der Verbandsliga ausleuchten, statt 10.000 nun vor 200-300 Zuschauern. Drastischer konnte einem der Niedergang der letzten fünfeinhalb Jahren kaum vor Augen gehalten werden.

Zumindest konnte Stahl aber künftig hin und wieder unter Flutlicht spielen. Gerade in den oftmals tristen Zeiten der 2000ern, in denen das Abstiegsgespenst Dauergast war bzw. der Wiederaufstieg in die Brandenburgliga angestrebt wurde, boten die Abendspiele bei etwas besseren Zuschauerzahlen und guter Stimmung einige male ein wenig positive Abwechslung vom sonst so grauen Alltag...

 Der Neuanfang 1998 - endlich wieder "Stahl Brandenburg"!

Beim FC Stahl war ab 1998 vieles anders, vor allem aber eines: etliche Nummern kleiner als in allen Jahren zuvor. Finanzielle Mittel waren praktisch nicht mehr vorhanden, es wurden nur noch geringfügige Aufwandsentschädigungen an die Spieler gezahlt und für den Unterhalt des Stadions war auch kaum noch Geld da. Stahl Brandenburg richtete sich notgedrungen dauerhaft in der Verbandsliga ein. Mehr noch: man kämpfte in den Jahren darauf in der Verbandsliga gegen ein Absinken in noch tiefere Ligen, das Stadion war zu dieser Zeit in keinem guten Zustand. Das Unkraut in den Kurven wucherte immer höher, die Anzeigetafel verrichtete immer unzuverlässiger ihren Dienst und die Öffentlichkeitsarbeit des FC Stahl war praktisch kaum mehr vorhanden. Und doch gab es einen Lichtblick in diesem Dunkel: eine immer größer werdende Schar treuer Stahl-Fans arrangierte sich mehr und mehr mit der Situation und unterstützte den Verein zur Jahrtausendwende hin in zunehmendem Maße. Dem Verein ging's schlecht, aber man war wenigstens schuldenfrei (leider nicht lange) und hatte seine Identität wieder - auch wenn man sie erst noch wieder neu für sich entdecken musste. Und ganz unabhängig von Erfolg und Ligenzugehörigkeit: Stahl Brandenburg war wieder da und blickte mit leiser, ganz leiser Zuversicht in die Zukunft...